Von Holzbuden zu moderner Lichtgestaltung
Die Geschichte des Spielbudenplatzes

Um 1795 entstand vor dem Millerntor ein neuartiges Vergnügungsviertel, in dem sich Gaukler, Zauberer und Artisten mit ihren hölzernen Buden niederließen – der Spielbudenplatz. Ein Chronist schrieb: "Alt und Jung strömten am Sonntagnachmittag hinaus, um sich von der Arbeit der Woche zu erholen, hier suchten und fanden sich Bekannte, hier feierten Seiltänzer, Kunstreiter, Gaukler, Tierbändiger und andere ihre Triumphe."
Da der Spielbudenplatz als Teil des Hamburger Berges noch Hamburger Vorstadt mit Torsperre war, mussten alle Besucher abends durch das Millerntor in die Stadt zurück kehren. Bei Dunkelheit wurde es geschlossen, konnte allerdings gegen ein zu entrichtendes Sperrgeld wieder geöffnet werden.
1860 wurde die Torsperre aufgehoben. 1894 wurde St. Pauli ein Hamburger Stadtteil.

Ab 1840 wurden die hölzernen Buden aufgrund der Brandgefahr durch feste Bauten ersetzt. Einige Häuser dieser Zeit existieren bis heute. Das Operettenhaus hat als Vorläufer an gleicher Stelle den Circus Gymnastikus von 1841 und die Zentral Halle von 1864.
Das St. Pauli Theater ist Hamburgs ältestes Theater und wurde bereits 1841 als Urania Theater gegründet. 1848 präsentierte Gottfried Clas Carl Hagenbeck lebende Seehunde in Holzbottichen in seiner Menagerie auf dem Spielbudenplatz und legte damit den Grundstein seines berühmten Tierparks. 1879 wurde das Wachsfigurenkabinett Panoptikum gegründet. Hein Köllisch bot in "Köllischs Lachbühne" ab 1894 Cabarett und Gesang auf Plattdeutsch und wurde zum Star seiner Zeit. Ab 1900 war "Knopfs Lichtspielhaus am Spielbudenplatz" eines der ersten Kinos in Deutschland.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Spielbudenplatz weiter zu einem Zentrum der Unterhaltung. Wirtschaftliche und politische Krisen hinterließen ihre Spuren. 1943 wurde der Spielbudenplatz in den Bombennächten von Hamburg mit fast allen angrenzenden Gebäuden zerstört.-

Nach dem Krieg erfolgte der Wiederaufbau. 1986 begann mit Cats eine neue Ära des Operettenhauses als Musical Theater. Am 8.8.1988 wurde das Schmidt Theater eröffnet, das die Tradition des Volkstheaters auf der Reeperbahn der 20er Jahre wieder aufnahm. Es folgten Schmidts Tivoli und Quatsch Comedy Club im Café Keese.
Die Ende der sechziger Jahre in der Tradition der Spielbuden errichteten Pavillons ließen den Platz unübersichtlich und schmuddelig werden. Mitte der 90er Jahre wurden sie abgerissen.
Ein Ideenwettbewerb war Grundlage für die heutige Gestaltung des Platzes mit den zwei VATTENFALL Bühnen, die an die Geschichte der Spielbuden anknüpfen sollen.
2006 wurde der neu gestaltete Spielbudenplatz feierlich an die Spielbudenplatz Betreibergesellschaft übergeben, die ihn ohne städtische Zuschüsse privatwirtschaftlich betreibt. Seitdem finden hier wieder viele verschiedene Märkte und kulturelle Veranstaltungen statt.





